Audi e-tron: Premium-Beschleunigungswunder für betuchte Kunden

Auch wenn sie sich in den Zulassungsstatistiken nach wie vor nur als Randerscheinung abbildet, ist die Elektromobilität doch ein fixer Faktor im Verkehrsgeschehen. Dass sich ein E-Antrieb durchaus auch mit einer echten Premiumanmutung kombinieren lässt, stellt Audi mit dem e-tron unter Beweis. Wir fühlten dem Elektro-Topmodell des deutschen Autobauers über Einladung des Autohaus Bad Leonfelden auf den Zahn.

Der erste Eindruck des in edlem Schwarz gehaltenen Fahrzeuges ist ganz dem stolzen Preis entsprechend: Qualität, soweit das Auge reicht - und ein Cockpit ohne Knöpfe. Stattdessen bestimmen Bildschirme das Geschehen. Diese erwachen beim Druck auf den Startknopf zum Leben – und informieren den Fahrer, dass das mehr als zwei Tonnen schwere Mobil zur Abfahrt bereit ist. Dabei sind die Instrumente der einzige Referenzpunkt – zu hören gibt es nämlich nichts. Das Automatikgetriebe funktioniert wie bei den Verbrennermodellen des Premium-Herstellers – und nach dem Klick auf die passende Fahrstufe setzt sich die Fuhre in Bewegung: Flüsterleise, am ehesten an die Geräuschkulisse einer Straßenbahn erinnernd, versieht der Elektroantrieb unaufgeregt und ruhig seinen Dienst.

Ein echtes „Aha-Erlebnis“

Das bleibt auch so, wenn man den Fahrmodus vom standardmäßigen D-Modus auf die flotte S-Version umstellt. Es gibt nach wie vor nichts zu hören – dafür umso mehr zu spüren: Mit einer nun zur Verfügung stehenden Systemleistung von mehr als 400 PS wird aus dem stattlichen SUV quasi auf Knopfdruck ein Sportwagen mit atemberaubenden Fahrleistungen. In weniger als sechs Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h – und auch darüber sind die Beschleunigungs-Festspiele noch nicht zu Ende. Laut Werk ist damit nämlich erst bei gut 200 km/h Schluss – tatsächlich ausprobiert haben wir das im Interesse des Führerscheinerhalts allerdings nicht. Was dabei wirklich fasziniert, ist die Leichtigkeit, mit der die Antriebseinheit das Geschehen schupft: Es geht gefühlt schier unendlich und vor allem ohne die geringste Unterbrechung immer weiter.

Stattliche Reichweite

Der Preis für diese außergewöhnliche Erfahrung wird dabei mit der Münze der Reichweite bezahlt: An der entsprechenden Anzeige ist abzulesen, wie viele Kilometer jedes Beschleunigungsmanöver kostet. Wer hier übertreibt, ist mit den gut 300 Kilometern, die die Ladeanzeige bei unserem Testwagen anzeigte, relativ schnell durch. Wer sich allerdings am Riemen reißt und öfter einmal im entsprechenden Modus energiesparend dahinsegelt, kann die Reichweite durchaus in Richtung 400 Kilometer oder sogar darüber schrauben. Zu verdanken ist dies einem ausgeklügelten Rekupiermodus, mit dem sich mit einem bisschen Gefühl viele Zusatzkilometer herausholen lassen. Sind diese dann aber auch aufgebraucht, muss der e-tron an die Ladestation: Bei einem passenden Schnell-Lader ist der Elektro-Audi nach gut zwei Stunden wieder im Vollbesitz seiner Kräfte, am normalen Stromnetz kann dies aber auch eine ganze Nacht dauern. Die riesige Batterie, die an der Unterseite des Chassis angebracht ist, erweist sich dabei so wie das ganze Auto als echtes Premiumprodukt: Im Gegensatz zu kleineren Elektromobilen ist sie auch durch „Stromfresser“ wie die Klimaanlage oder die Sitzheizung nicht in Verlegenheit zu bringen – und 160.000 Garantiekilometer sind zudem eine echte Ansage.

Wie eine Sänfte...

In puncto Fahrwerk hat Audi im e-tron jenes Luftfahrwerk verbaut, das Besitzer der Premium-Limousinen und SUV’s des Herstellers kennen und durch die Bank schätzen. Es macht aus dem doch recht großen „Schiff“ auf Wunsch eine echte Sänfte, die ohne Schmälerung der Rückmeldung am Lenkrad für ein unglaubliches Fahrfeeling sorgt. Wer es gerne rustikaler oder sportlich-knackig liebt, kann sich dabei mit den entsprechenden Modi auch seine ganz individuellen Einstellungen programmieren. Programmieren ist auch das passende Stichwort für das virtuelle Cockpit, dass sich ebenfalls nach persönlichen Vorlieben anpassen lässt. Anfänglich ein bisschen ungewohnt, findet man sich in der Fülle der Möglichkeiten mit ein wenig Geduld schnell zurecht und eröffnet den Zugang zu einem hochmodernen Equipment, die in keinerlei Hinsicht Wünsche offen lässt.

Dass dies seinen Preis hat, versteht sich von selbst: Das von uns gefahrene, nahezu voll ausgestattete 55er-Modell des e-tron schlägt mit knapp 100.000 Euro zu Buche. Natürlich gibt’s das Audi Premium-e-mobil auch etwas günstiger – von billig kann aber dennoch keine Rede sein. Womit sich der Kreis der potenziellen Käufer von Haus aus auf Top-Kunden eingrenzt. Diese verfügen in der Regel über das nötige Kleingeld – und sichern sich mit ihrem Kaufvertrag ein Elektrofahrzeug, das in diesem Marktsegment eine echte Benchmark darstellt.

 Bernhard Haudum

 

 

 

In jeder Hinsicht ein Topfahrzeug: Der Audi e-tron. Foto: beha