Heftige Polit-Wehen in Bad Leonfelden: Wer wird neuer Bürgermeister?

Kein politischer Weihnachtsfrieden im Bad Leonfeldner Rathaus: Bei der Suche nach einem Nachfolgekandidaten für Langzeit-Bürgermeister Alfred Hartl gehen die Wogen hoch. Foto: beha-pictures
Während in fast allen Gemeinden der Region die Kandidaten für die im Herbst 2021 anstehenden Bürgermeisterwahlen bereits fest stehen, zeichnet sich in Bad Leonfelden in Sachen Stadtchefnachfolge ein heftiges Gerangel ab: Durch die überraschende Ankündigung des bisherigen Bürgerlistenchefs Daniel Hettrich-Keller, als VP-Spitzenmann in die Fußstapfen von Langzeit-Bürgermeister Alfred Hartl treten zu wollen, gehen die politischen Wogen hoch.

In der Oktober-Printausgabe des GUUTE Mühlviertel Magazins sprach ÖVP-Stadtparteichef Hartl in Sachen Bürgermeisternachfolge noch „von einem guten Weg“, bei dem es bis zum Jahreswechsel eine Entscheidung geben würde. Diese Aussage ist seit Mitte November Makulatur: Wie berichtet, verkündete der bei der Bürgerliste ELWIS engagierte Daniel Hettrich-Keller zur allgemeinen Überraschung via Facebook, 2021 für die ÖVP in das Rennen um den Stadtchef gehen zu wollen. Damit und mit der Art der Bekanntgabe löste er in der Kurstadt ein regelrechtes Polit-Erdbeben aus. Zumal in der ÖVP bis auf Stadtparteiobmann und Bürgermeister Alfred Hartl offenbar niemand etwas von den Plänen des Jung-Politikers wusste. Dem entsprechend heftig fielen die Reaktionen aus: Die etablierten VP-Granden reagierten mit harschen Kommentaren. Von einem „unwürdigen Schauspiel“ war ebenso die Rede wie von einem Vertrauensbruch. Im Mittelpunkt der Kritik stand VP-Chef Bgm. Alfred Hartl, dem vorgeworfen wurde, mit der eigenmächtigen Kür von Hettrich-Keller das demokratische Prozedere der Kandidatenfindung umschiffen zu wollen.

Inzwischen ist die politische Schlammschlacht um eine weitere Facette reicher. Das eigentlich überparteiliche Bad Leonfeldner Gemeindeblatt wurde vom Noch-Stadtchef dazu entfremdet, um ein regionales Medium bzw. dessen Herausgeber wegen seiner Berichterstattung anzugreifen. Kenner der Szene vermuten dahinter den Versuch, sich mittels eines Feindbildes von außen selber doch noch einmal ins Spiel um das Bürgermeisteramt zu bringen. Was in dem Druckwerk zumindest unterschwellig als „Bad Leonfelden First“ rüberkommt, könnte in Wahrheit also „Hartl First“ bedeuten.

Dies umso mehr, da die Kür von Daniel Hettrich-Keller als ÖVP-Bürgermeisterkandidat keineswegs fix ist. Muss sich der Ex-ELWIS-Chef doch in der VP- Gemeindeparteileitung – diese ist rein formal zuständig - und beim für Ende März geplanten ÖVP-Stadtparteitag ebenso dem Votum der Delegierten stellen wie seine potenziellen Herausforderer. Wer diese dann wirklich sein werden, lag bei Drucklegung dieser Ausgabe noch im Dunklen. Auf der Gerüchtebörse wurden aber vor allem Fraktionsobmann Thomas Wolfesberger und der stellvertretende VP- Stadtparteiobmann Bernhard Kastner als mögliche Kandidaten gehandelt.

Einig sind sich alle Beteiligten, dass die Zeit für eine verbindliche Lösung drängt: Der ÖVP weht in Bad Leonfelden eine steife Brise seitens der politischen Konkurrenz entgegen. Vor allem die neu formierten Grünen, aber auch die FPÖ, möchten die Vormachtposition der Türkis-Schwarzen brechen. Dies umso mehr, da durch die Auflösung der Bürgerliste ELWIS nicht weniger als sechs Gemeinderatsmandate sozusagen auf dem Markt sind.